Kleines Interview mit Winzer Christian Huber aus Durbach
Kleiner Steckbrief von Christian Geburtstag: 18.05.1981 Beruf: Weinbautechniker Rebfläche: 7 Hektar Vermutlich getrunkene Flaschen Wein in deinem Leben: Wenn ich das mal so überschlage und hochrechne auf ein Alter von 80 Jahren – uiiii So plus minus 18.185 Flaschen.
5 schnelle Fragen an Chistian
Was macht für dich der Beruf des Winzers aus ? Für mich ist es die Abwechslung und das Arbeiten mit und in der Natur.
Was ist deine größte Herausforderung beim Weinanbau ? Die Trauben bzw den gesamten Rebstock gesund erhalten sein Leben lang. Damit er mir jedes Jahr ein paar Trauben schenkt.
Wann kommst du endlich nach Eitting um Anne zu besuchen ? Ja, diese Frage hab ich mir selbst auch schon oft gestellt. Ein Winzer hat doch nie Zeit.Es steht aber schon länger auf meiner to-Do Liste
Was ist dein Lieblingswein ? Mein Lieblingswein ist der „Lausbub“ Weißer Burgunder trocken, natürlich nach mir benannt.Durch seinen Ausbau, kurze Maischestandzeit und spontane Vergärung ist er verspielt und vielschichtig in seiner Art.
Was sind deine Lieblingstätigkeiten im Weinanbau ? Meine Liebslingstätigkeit ist das Gras mähen, man sitzt entspannt auf dem Traktor und fährt Reihe für Reihe,gleich danach kommt die Weinlese,die ich allerdings nicht im Weinberg verbringe, sondern natürlich im Weinkeller. Man sieht und freut sich, was man das ganze Jahr über gearbeitet hat.
Danke für deine Zeit Christian 🙂
Die Weine von Christian sind seit Tag 1 fester Bestandteil im Sortiment des Lädele. Eine Freundschaft verbindet Christian und mich. Wir sehen uns leider selten, meistens wenn ich Wein hole oder wir zusammen hinter der Theke stehen an Fasching. Die Weine von Christian sind erfrischend, leicht und doch vielfältig. Mit viel Liebe und Hingabe arbeitet die ganze Familie von Christian auf dem Hof mit.
Hast du die Weine schon probiert?
Christian mit seiner Freundin Carina
• • •
Wein des Monats – Kopp`s Grauburgunder
Die erste Vorstellungsrunde geht an einen Klassiker,nicht zu unterschätzen in seiner Vielfalt und doch geprägt von Einfachheit: Grauburgunder. Das Weinanbaugebiet Baden ist bekannt für hervorragende Burgunderweine. Diese Sorte hat die perfekten Anbaubedingungen in Baden: einmal durch die burgundische Pforte (eine klimatische Besonderheit) und die Rheinebene. Das Weingut Kopp liegt in Sinzheim bei Baden-Baden. Das Demeter-Weingut arbeitet biodynamisch und stellt Tiere und Pflanzen in den Mittelpunkt. Das Weingut produziert herausragende Still- und Schaumweine. Ein Besuch lohnt sich, vor allem auch wegen des neu erbauten Restaurants direkt neben dem Weingut, mit Ausblick auf die Reben.
Dieser Grauburgunder ist fruchtig und elegant. Im Duft ist er geprägt von Birnenaromen, geschmacklich stechen die klassischen Burgundernoten heraus, darunter Birne, Apfel und Cantaloupe-Melone. Im Abgang findet sich eine leichte Würze und eine dezente Nussigkeit. Cremigkeit und Schmelz sorgen für einen kraftvollen Körper.
Analysedaten: 12% vol | 6,3 g/l Säure | 5,0 g/l Restsüße Ausbau: 6 Monate im Edelstahltank – Trinktemperatur: 8-10 Grad Speiseempfehlung: helles Fleisch, Wiener Schnitzel, mittelkräftiger Käse, in geselligen Runden.
Preis: 11€
Die „Newcomer“ Rebkrankheit ESCA
Esca (lat. Zunder) Die klassischen Rebkrankheiten wie Reblaus, echter und falscher Mehltau und Botrytis kennen die Meisten. Esca ist eine Krankheit die die deutschen Winzer bisher nur belächelt haben und ein Problem von Winzern aus wärmeren Regionen, wie Italien oder Kalifornien war. Es handelt sich hierbei um eine Pilzkrankheit, Übertragen von kleinen Verletzungen des Rebstocks beim Rebschnitt. Pilztoxine zersetzen den Rebstock, die weißlichen befallenen Stellen sind unübersehbar. Zusätzlich sehen die Blätter im Sommer nicht gesund aus die Beeren entwickeln sich kaum und der Rebstock stirbt relativ schnell ab. Eine direkte Behandlung ist nicht möglich. Vorbeugend sollte man den Rebschnitt bei kalten Temperaturen durchführen, da warme Temperaturen die Infektion begünstigen. Esca bereitet sich aktuell schneller den je aus und viele Winzer in Baden sehen ein großes Problem in der Zukunft, Stichwort Klimaveränderung. Komplette Rebflächen können binnen kürzester Zeit sterben.
Mein Besuch bei der Ölmühle Wagner
Es gibt eine Flüssigkeit, die etwas mit Wein zu tun hat, aber definitiv kein Wein ist. Und zwar das Rapsöl von der Familie Wagner in Niederviehbach, dort wird das Rapsöl nämlich in Weinflaschen abgefüllt und verkauft. Schon vor meiner Selbständigkeit kannte ich das Rapsöl von Wagner’s, Stefanie Wagner und ich sind zusammen im Steuerbüro gesessen als Arbeitskollegen, schon dort brachte Sie mir immer das Öl mit und ich habe es lieben gelernt. Seit 1969 wird auf dem wunderschönen Hof gewirtschaftet, 1993 kam die Ölmühle dazu und 1995 startete die Produktion von Speiseöl. Viel Raps kommt vom eigenen Anbau, der zugekaufte Raps kommt ausschließlich aus Bayern. Regionalität – Qualität – Nachhaltigkeit, dafür steht die Ölmühle Wagner. Und was KANN nun das Rapsöl ? Es enthält ungesättigte Fettsäuren, diese wirken sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus. Außerdem besitzt es durch die schonende Kaltpressung Omega-3-Fettsäuren. Rapsöl könnt ihr zum Braten, Backen, Frittieren und natürlich für Salatdressings hernehmen. Beim Auspressen des Öls entsteht ein Nebenprodukt, der Rapskuchen, das ist eine hochwertige Eiweißquelle und wird als Futtermittel genutzt – das spart Sojaschrot aus Südamerika und schützt den Regenwald – lieben wir !!!
Ausflugstipp Schwarzwald
Ausflugsziel „Belchen“ – König der Schwarzwaldberge
Belchen, hört sich irgendwie niedlich an, ist jedoch der 4. höchste Berg im Schwarzwald mit 1414m. Vor zwei Wochen bin ich eine wirklich entspannte Runde um den Belchen gegangen und dachte ich teile diesen Ausflug mit Euch. Ausgangspunkt/Parkplatz ist die Belchen Talstation, eine schöne gemütliche Seilbahn bringt euch fast auf den Belchengipfel. Ihr könnt natürlich auch vom Parkplatz aus hoch laufen (ca. 1 Stunde Gehzeit), doch ich wollte es etwas ruhiger angehen lassen, da ich die Tage vorher schon viele Höhenmeter hinter mir hatte. Von der Seilbahn-Bergstation gings dann erstmal auf den Belchengipfel (leider war’s bei mir an dem Tag etwas diesig und neblig in der Ferne). Südlich-westlich blickt man in die Schweizer Alpen und man erahnt die burgundische Pforte, nördlich sieht man Freiburg und die Vogesen-Bergkette, östlich schaut man in den tiefen Schwarzwald, Feldberg und Tannen. Nichts als Tannen. Der Belchen bietet dir nicht nur ein fabelhafter Ausblick, nein, es gibt auch das sogenannte Belchen-Dreieck- ein Kraftort ! im Schwarzwald gibt es einige mystische Orte, der Belchen ist bisher mein Favorit. Der Belchen im Schwarzwald, der Belchen im Elsaß (Ballon d’Alsace) und der Belchen in der Schweiz (Belchenflue) bilden ein rechtwinkliges Dreieck. Dieses Belchen-System haben vermutliche die Kelten zur Bestimmung der Jahreszeiten verwendet (Belenus=Keltischer Sonnengott). Die Belchengipfel sind ein Platz des Rückzugs, Ruhe, Glaubens. Also, wir waren beim Wandern, vom Gipfel aus geht es dann Richtung Rapsfelsen, entlang des Panoramawegs, über das „Eckle“ zurück zur Talstation. Der Weg hatte angenehme 200 Hm, wunderschöne Aussichten und war sehr abwechslungsreich. Ich denke die Bilder sprechen für sich 🙂
Weinberg-News, was ist zu tun nach der Weinlese ?
Ganzjährig fällt eine Vielzahl an Arbeiten im Weinberg an: vom Rebschnitt, der Bodenpflege bis hin zur Schädlingsbekämpfung. Doch im Dezember wird der Winzer zum Kellermeister ! Die Weinlese ist durch, Ende November steht vereinzelt noch die Eiswein-Lese an, aber spätestens dann ist die Lese komplett vollendet. Das heißt, die Weinkeller sind voll bis oben hin mit neuer „Ware“ – den geernteten Trauben. Im Keller reifen die jungen Weine. Die Arbeitsgeräte von der Weinlese werden gründlich gereinigt und gewartet. Im Januar wendet sich dann langsam das Blatt. Anfang des Jahres folgt der Rebschnitt, einer der wichtigsten Arbeitsschritte im Weinberg, hier wird bereits viel Vorarbeit geleistet für das neue Winzerjahr 2024.
Die Rebe ist eine Schling- und Kletterpflanze, alle Triebe wachsen dem Licht entgegen, so hoch es geht. Durch den Rebschnitt (übrigens zu 100% Handarbeit) bringt der Winzer die Rebe in die gewünschte Form und altes Holz wird entfernt. Das alte Holz wird meistens klein geschnitten oder gehäckselt und als Düngemittel direkt unter die Erde gemischt.
Nach dem Rebschnitt Vor dem Rebschnitt
Weihnachten/Silvester – welcher Wein zu welchem Essen ?!
Es kommt die Zeit der mächtigen Speisen, vollen Bäuche und der absoluten Völlerei. Man sitzt -gefühlt- 3 Tage nur am Tisch und isst, dann folgt eine kurze Pause und es steht schon Silvester auf dem Plan. Damit ihr den passenden Wein zu den ganzen Schmankerl servieren könnt, habe ich euch eine kleine Zusammenfassung geschrieben mit meinen Weinempfehlungen. Gehen wir mal die Klassiker durch: Sauerbraten, Burgunderbraten & Schmorbraten, schwere Speisen verlangen schwere Weine. Hierzu empfehle ich den Durbacher Pinot Noir aus dem Holzfass oder den Waldulmer Cabernet Sauvignon und für die ganz Harten unter uns, kann ich nur den Zeller Rother von der Gengenbacher Weinmanufaktur ans Herz legen. Die tanninhaltigen, schweren Weine sind die perfekten Essensbegleiter und mit einem Braten dazu kommen einem die schweren Weine auf einmal überhaupt nicht mehr schwer vor. Zu herrlichen Wintersalaten wie Chicorée- oder Radicchio-Variationen empfehle ich ein würzigen Chardonnay, entweder von der Durbacher Winzergenossenschaft oder dem Demeter-Weingut Kopp. Fischgerichte mit weißen Soßen verlangen nach spritzigen Weißweinen wie Riesling, Weißburgunder oder Sauvignon Blanc, hier habe ich aktuell Spitzenweine vom Schwarzwaldweingut im Lager. Falls es bei euch weniger festlich wird und das klassische Schnitzel auf den Teller kommt – seid mutig und probiert dazu einen eleganten Schaumwein. Fett & Säure passen wunderbar zusammen und sind die perfekten Partner. Zu einem langen, ausgiebigen Raclette-Abend gesellt sich sehr gerne ein Chardonnay aus dem Holzfass oder ein Riesling Spätlese. Zu dem schweren Raclette-Käse passt aber auch wunderbar ein Rotwein, da habe ich gleich zwei Merlots im Lager, die wunderbar passen. Es gilt wie immer: probieren, probieren, probieren ! Findet euren ganz persönlichen Gusto, meine Zeilen sind nur Vorschläge für Euch 🙂
Meine persönliche Weihnachts-Weinliste mit Weinen die bei mir nie fehlen dürfen sind: Better Together Cuvée und Grauburgunder vom Schwarzwaldweingut, schöne Zeit Rotwein Cuvée und der Pinot Noir von der Durbacher Winzergenossenschaft sowie Kopp’s Chardonnay und Feigenwäldchen Riesling.
Welche Speisen leider überhaupt nicht mit Wein kompatibel sind: Spinat, Rhabarber, Artischocken, Wasabi, Eis und Milchprodukte.
Ich wünsche Euch festliche Tage mit euren Liebsten
Das Weinparadies Ortenau
Die Weingüter aus Durbach, sowie die Waldulmer Winzergenossenschaft und die Gengenbacher Weinmanufaktur haben alle eine Gemeinsamkeit: sie kommen aus der Ortenau. Wo genau liegt die Ortenau und was macht sie so attraktiv beim Thema Weinbau ? Erstmal ein paar Hard Facts: die Ortenau liegt im Bundesland Baden-Württemberg und ist eine örtliche Unterteilung innerhalb der Weinbauregion Baden. Sie liegt am Oberrhein, an der Grenze zu Frankreich und liegt in der Vorbergzone zum Schwarzwald. 2717 ha (Stand 2017) Rebfläche umfasst die ganze Ortenau und ist eigentlich ein kleiner Fisch in Deutschland, das macht nämlich nur 2,5% der gesamten, deutschen Rebfläche aus und trotzdem ist die Ortenau jährlich ein Absahner bei nationalen und internationalen Wein-Wettbewerben. Dies liegt an 4 großen Faktoren: Groß- und Kleinklima, Standort, Boden und Winzer (= Ortenauer Terroir). Die burgundische Pforte bringt über den Oberrheingraben die mediterrane Luft mit, weswegen Baden auch die wärmste Anbauregion Deutschlands ist. Mit Kleinkima sind speziell die Anbauzonen in den Seitentälern gemeint, diese haben eine wellenartigen Verlauf und sind in Ost/West-Ausrichtung, die Reben stehen Nordwindgeschützt in Süd/Ost-Lage. Die Seitentäler liegen höher als der Oberrheingraben, hier entstehen Kaltluftgebiete vom Schwarzwald, das heißt tagsüber ist es sehr warm und nachts folgt eine starke Abkühlung, dieser Tag/Nacht-Unterschied ist einmalig in der Ortenau. Die Reben lieben das. Die Steilhänge in der Ortenau sind in ganze Baden einmalig, die meisten Rebflächen haben eine Neigung von 30-55 % (einer der steilsten Weinlagen Europas liegt in der Ortenau – Engelsfelsen mit 75 Grad). Steillagen sind perfekt für die Reben, eine lange Sonneneinstrahlung ist so garantiert. Außerdem liebt die Rebe leicht saure Böden, auch das ist in der Ortenau geboten. Ausgangsgestein ist Granit, Gneis und Porphyr. Doch schlussendlich liegt alles am Winzer, dieser ist in der Ortenau ein Qualitätsproduzent, egal ob Weingutbesitzer oder Mitglied in einer Winzergenossenschaft. Die typischen Rebsorten der Ortenau sind Müller-Thurgau, Riesling/Klingelberger und Spätburgunder. In der gesamten Ortenau gibt es weit mehr als 50 Weingüter und mindestens doppelt so viele Übernachtungsmöglichkeiten. Fahrrad- und Wanderwege sind sehr gut ausgeschildert und gibt es zu Hauf. Beliebte Ziele sind Baden-Baden, Freiburg, Strasburg, Europa-Park und der Nationalpark Schwarzwald. Für die gesamte Erkundung der Ortenau eignet sich der „Ortenauer Weinpfad“, in 7 Tagesetappen läuft man durch die Anbauzonen (Murgtal, Bühlertal, Achertal, Renchtal, Durbachtal & Kinzigtal) und man kann bei jeder Tagesetappe Winzer besuchen und eine erfrischende „Wiischorle“ trinken.
Ein Besuch lohnt sich ! Bei genaueren Fragen dürft Ihr mich gerne Anschreiben 🙂
Wein des Monats: 1782 Klingelberger vom Schwarzwaldweingut Männle
Die Ortenau ist die Heimat des Klingelbergers, ein Synonym für Riesling. Auf den Weinetiketten steht nicht selten Klingelberger drauf, ein Begriff den dort Jedermann kennt. Ausgehend von dem Weinberg Klingelberg in Durbach, der Berg liegt unterhalb des Schloss Staufenberg. Seit dem 11. Jahrhundert gibt es Weinbau in der Ortenau, erst von den Römern kultiviert und über die Jahrhunderte weiterentwickelt von Gutsherren, Klöstern und auch der Politik. Schon im Jahr 1495 erließ der Markgraf von Baden das erste Weinbaugesetz. Ein paar Jahre später, nämlich 1782, ließ der Markgraf rund 3000 Riesling-Würzlinge am Klingelberg anpflanzen, womit dieser zum ersten sortenreinen Weinberg in ganz Baden wurde. Der Förderverein „Klingelberger 1782“ ist der Verband von 12 Ortenauer Winzern, welche dieses Geschichte weitergeben. Unter ganz bestimmten Auflagen wird der Riesling angebaut, zum Beispiel muss der Rebhang mindestens 35 % Hangneigung haben, der Ertrag muss auf 50hl/ha reduziert werden, bei der Lese darf keine faule Traube in den Bottich und es gilt 100% Handlese. Diese und noch viele weitere Auflagen lassen den Wein 1782 für sich sprechen. Im Duft geprägt von Mineralität und frischer Kräutrigkeit, gepaart mit feinen Noten, die an weiße Blüten erinnern. Seine Dichte, Komplexität und der lange Abgang machen Ihn zu einem Spitzenwein. Dieser Wein eignet sich hervorragend zu Fisch, hellem Fleisch oder als Solokünstler.
Philipp Reiß – neuer Winzer im Lädele
Philipp ist nicht „nur“ Winzer, Philipp ist Vollblutwinzer mit vielen Visionen. Ich fang am besten von vorne an: Philipp´s Opa hatte schon immer ein paar Rebzeilen und produzierte Trauben für die örtliche Winzergenossenschaft (WG Neuweier, bei Baden-Baden) und den Hauswein. Im Weinkeller unter Opa´s Haus ist er groß geworden, dort schaute er schon als kleiner Bub gerne zu, wie der Opa Wein & Schnaps produzierte. Bei vielen bekannten Weingütern hat er dann seine Ausbildung/Studium zum Winzer & Önologen vollendet. Philipp geht das Thema Wein ganz anders an, er macht Naturweine, ungeschönt und unfiltriert. Das heißt, pure Weine mit viel Saftigkeit, etwas weniger Alkoholgehalt und mit einem höheren Anteil an Gerbstoffen und Geschmack. Er gibt den Weinen viel Zeit und Ruhe. In dem kleinen Weinkeller liegen Holzfässer aus Frankreich / Deutschland und dort passiert der ganze Zauber – wirklich magisch. Vor allem, wenn man Philipp zuhört und seine Weine aus dem Fass probieren darf. Hinter jedem Wein steckt seine eigene Idee und natürlich viel Liebe. Alles bei ihm ist einzigartig, individuell und Handwerk pur. Von Philipp sind aktuell 3 Sorten im Sortiment: Cuvée Blanc, Cuvée Rouge und ein wahnsinns Apfel-Cidre. Kommt´s vorbei!
4 schnelle Fragen an Winzer Philipp Reiß
Kleiner Steckbrief von Philipp: Alter: 28 Jahre jung Beruf: Önologe, Winzer Rebfläche: 2,5 Hektar
Was macht für dich badischen Landwein aus ? Für mich bedeutet Landwein, Liebe zur Heimat. Meistens sind es kleine, handwerkliche Winzer die mit voller stolz Landwein produzieren. Außerdem ist es für mich ein bisschen „Ausbrechen aus dem System“.
Wer macht deine Etiketten? Mein Opa zaubert die Etiketten für mich 🙂
Was ist deine persönliche Lieblings-Weinsorte ? Ganz klar, Riesling und Spätburgunder.
Welchen Wein probierst du immer in einem fremden/neuen Weingut? Ich probiere mich sehr gerne durch die verschiedenen Qualitätsstufen und die unterschiedlichen Weinlagen des Weinguts, die Sorte ist mir dabei in erster Linie egal.
Wein des Monats: 2023er Grauburgunder vom Weingut Aufricht
Das Weingut Aufricht vom Bodensee ist ganz neu ins Lädele eingezogen. Nicht nur das Etikett und Design sind ein Hingucker, auch der Wein! Grauburgunder – oder besser bekannt unter Pinot Gris – ist oft verpönt. Er wird als langweiliger Wein abgetan, der nicht spritzig genug ist. JA, der Grauburgunder hat wenig Säure und dadurch wirkt er manchmal lahm, ABER manchmal tut wenig Säure dem Magen gut und es gibt Winzer, die Grauburgunder einfach weltklasse ausbauen. Dazu gehört für mich das Weingut Aufricht. Dieser Graui hat eine mega Frische, erst in der Nase und dann am Gaumen. Mirabelle, Akazie, Aprikose und (der Klassiker beim Graui) die Honigmelone, springen einen förmlich an. Dieser Wein macht Lust auf mehr, ein sehr netter „easy drinking“-Wein, mit seiner Saftigkeit und Frische kaum zu übertreffen. Viel Spaß beim Trinken!
Vivien & Anne – eine Lovestory
… es ist ja mittlerweile normal, dass man seine Partner und Freunde über´s Internet oder diverse Apps kennenlernt. So auch bei Vivien und mir, immer wieder habe ich ihre Weine in diversen Offenburger Läden stehen sehen und auf Instagram habe ich Ihren Account auch schon entdeckt gehabt. Und wie der Zufall so wollte hatte ich eines Tages eine Nachricht von Vivien über Instagram erhalten „Hallo liebe Anne (…)ich bin aktuell am Netzwerk aufbauen & suche Wiederverkäufer…“es ging ein bisschen hin und her und ein paar Monate später haben wir uns endlich getroffen. Wo ? Mitten in Vivien´s Reben in Fessenbach (Stadtrandlage von Offenburg). Es hat sofort gefunkt zwischen uns, wir haben beide eine riesen Passion für Wein, für unsere gemeinsame Heimat und für Produkte die 100% von Herzen kommen. Schnell war klar: wir arbeiten zusammen ! Einige Gemeinsamkeiten verbinden uns, wir haben uns beide im Jahr 2020 selbständig gemacht, Vivien entdeckte die Leidenschaft für den Wein während ihrem Aufenthalt in Kanada, nach diversen Praktika im In- und Ausland wusste sie: meine Berufung ist Wein und so studierte sie internationale Weinwirtschaft. In der Theorie war der Grundstein gelegt, doch wie kann man das alles umsetzen ins Praktische? Vivien kommt aus keiner Winzerfamilie, sie ist Quereinsteigerin, dann ist das Ganze nicht soo leicht. Sie pachtete von einem älteren Herren einen 0,35 Hektar großen bzw. kleinen Weinberg und begann ihre Reben selbst zu pflegen um daraus Wein zu produzieren. Chapeau Vivien, das ist so mutig ! Vivien fragte auch mich, wann ich die Liebe zum Wein entdeckt habe, vor allem zum badischen Wein. Bei Vivien wars Kanada, bei mir wars wohl in Eitting. Mich hat es damals geschockt, wie viele Menschen irgendein Wein kaufen der in irgendeinem Regal von irgendeinem Abfüller da steht, ich kannte das gar nicht, in meiner Heimat geht man entweder direkt zum Winzer auf den Hof oder man kann die Heimat-Weine in gut sortierten Lebensmittelgeschäften kaufen. So etwas wie Rotkäppchen Sekt kannte ich gar nicht. Viele meiner Kunden kannten ja nicht mal das Anbaugebiet Baden, geschweige denn, die Vielfalt des deutschen Weines. Das zusammen gepaart mit riesen Heimweh, hat mich zum badischen Wein gebracht. 2020 war wohl trotz Pandemie ein „magisches“ Jahr. Vivien`s Rebzeilen sind mit Spätburgunder Reben bepflanzt, daraus zaubert Sie: Rosé, Secco Rosé, Blanc de Noir und Spätburgunder aus dem Barrique. Während dem Gespräch im Weinberg, natürlich mit 2-3 Gläschen Wein, merkten wir dass wir im gleichen Jahr ´95 auf die Welt kamen und ein paar gemeinsame Bekannte haben, trotzdem haben wir uns erst über den Wein kennen gelernt, das ist manchmal einfach ver-rückt ! Die weitere, sehr offensichtliche Gemeinsamkeit ist, dass wir beide Frauen sind. Wir betreiben beide „one-women-shows“, was harte Arbeit ist. In der Weinbranche ändert sich langsam einiges beim Thema “ Frau und Wein“, Frauenpower wurde auch da lange belächelt. Vivien sagte so schön “ Frauen arbeiten vielleicht auf eine andere Art und Weise als Männer, bringen aber frische Perspektiven und innovative Ansätze in eine traditionell männlich dominierte Branche“. Damit bringt Sie es auf den Punkt. Ich habe schon so lange auf eine Winzerin gewartet, es ist für mich total erfrischend mit einer Frau alles zu besprechen, es ist ein anderes Arbeiten. Ich erfahre im Verkauf und auch bei den Betrieben häufig Mansplaining, eigentlich erklärt mir bei jeder Weinprobe ein Mann, wie der Hase beim Thema Wein läuft, da hilft nur „schmunzeln, nett schauen und weiter reden!“ Das Gespräch mit Vivien war total auf Augenhöhe, es ist mir eine Freude ihre Herzwerk Weine verkaufen zu dürfen. Schnell sein lohnt sich, denn der Rosé und der Secco sind schon fast ausverkauft.
Wein des Monats – Cuvée Blanc von Philipp Reiß
Bei dem Wein ist nicht nur das Etikett einzigartig. Eine richtige Geschmacksexplosion, nicht nur am Gaumen auch in der Nase. Die Cuvée riecht sehr intensiv, nach Weinkeller und irgendwie auch Whiskey, nach Weinfässern und Obstwiese. Geschmacklich leichter, als man denkt, sehr erfrischend nach Birnen und Äpfel, eine angenehme Cremigkeit und Saftigkeit im Mund. Die Cuvée besteht aus Riesling, Grauburgunder und Viognier. Die ersten zwei lagen im Barriquefass. Der Wein hat eine atemberaubende Länge, das heißt, man hat den Geschmack noch sehr lange im Mund, was echt nicht jeder Wein drauf hat. Kommt´s vorbei und holt euch ein paar Flaschen von diesem einzigartigen Schätzchen 🙂
Ausflugstipp Durbach – Wandern zwischen Wald und Reben
Anfang Juni war ich ja wieder in meiner Heimat, jedes Mal nehme ich mir vor eine neue Wanderung zu gehen. Diesmal lag eine direkt vor meiner Haustüre, die top ausgeschilderte Runde „Durbacher Weitblick“. Mit einer Länge von 11 km und 500 hm hat es dieser Weg in sich, ich dachte das wäre ein lässiger Spaziergang, aber ohne Proviant und Getränke ist er doch etwas lang. Da der Weg ein Rundweg ist, kann man überall starten oder individuell abkürzen. Man läuft sozusagen an der „rechten“ Seite der Durbacher Reben und Wälder, den Ortskern hat man dabei immer im Blick. Vor allem das Waldstück beim Vollmersbach hat mich verzaubert. Ich liebe es an kleinen Wegen mitten im Wald zu gehen, auch für die Kids ist etwas geboten. Auf einer Länge von 2 km sind über 30 Schlumpffiguren versteckt am Wegesrand, es war sehr herzig und liebevoll gestaltet. Highlight´s sind natürlich die Weingüter Vollmer, Huber und Wörner, überall mit Getränkestation und gemütlichem Sitzplatz 🙂
Immer diesem Schild folgen…
… für diesen einmaligen Ausblick – Blick auf`s Durbacher Schloss
auf dem Bild leider nicht erkennbar aber in real Life schon – man hat bis zum Straßburger Münster blicken können… ganz da hinten
Blick auf das Durbacher „Köpfle“
den Winzern beim arbeiten zuschauen
Wein des Monats: Cabernet Sauvignon von der Waldulmer Winzergenossenschaft
Es ist September und irgendwie kam ein kleiner Kälte-Einbruch ins Land, eiskalt war´s ! Da hatte ich Lust auf Rotwein, ihr auch ? Cabernet Sauvignon, hört sich erstmal dramatisch an und kompliziert in der Aussprache. Diese Rebsorte stammt aus Frankreich, ist aber weltweit erfolgreich. Woher hat diese Rebe ihren Namen ? Eigentlich logisch wenn man´s weiß, sie ist eine Kreuzung aus Cabernet Franc und Sauvignon Blanc. Immer öfter wird die Rebsorte in Deutschland angebaut, was mich freut, den dieser Rotwein hat eine wunderbare Eigennote und eine komplexe Vielschichtigkeit. Nun zum Wein, farblich schon mal ein dunkles Rubin im Glas, hebt sich dadurch eindeutig ab von einem Spätburgunder. Im Duft eine leichte Würze nach Pfeffer und eine herrliche Cassis-Note. Am Gaumen vollmundig, rund, leichte Vanille, etwas Pfeffer und auch hier wieder die Cassis. Bei meiner Spätsommerweinprobe kam der Wein bei allen sehr gut an. Überzeugt euch selbst 🙂
Weinlese 2024 – eine kleine Prognose
Kein Jahr ist wie das andere – vielleicht ist es ja genau deswegen so interessant für Weinkenner, den Jahrgang heraus zu schmecken ?! In der ersten September-Woche war ich in meiner Heimat unterwegs um mit einigen Winzern über die Trauben und die Lese 2024 zu sprechen. Die Weinlese startete bei den meisten Winzern am 09. September und läuft im Schnitt 6 Wochen. In der Fachzeitschrift „der badische Winzer“ habe ich schon eine kleine Prophezeiung über die Lese `24 gelesen, schöne Gefühle haben die Zeilen aber bei mir nicht ausgelöst, es ging viel um Fungizide, Pilzbefall und Ertragsverlust. Starten wir von vorne, das Jahr startete im März/April wesentlich zu warm, so dass viele Reben einen frühen Austrieb hatten, dieser wurde dann leider schwer geschädigt von dem plötzlich eintretenden Frost Mitte/Ende April. Aufgrund dieser Frostschäden hatten viele Rebstöcke eine ungleiche Entwicklung. Dann war da noch der fast anhaltende Dauerregen im Mai und Juni, genau in diesen zwei Monaten entscheidet sich wie sich die Rebe entwickelt. Durch den vielen Regen hatten die Winzer ein großes Problem: Pilzbefall und die Trauben erhalten und retten die noch am Stock hängen. Die Durbacher Winzer rechnen mit einem Ertragsausfall von bis zu 45 % ! Winzerin Vivien von Herzwerk-Weine geht mit sehr gemischten Gefühlen an die Lese. Einerseits wird es auch bei Ihr eine kleinere Ernte geben, andererseits werden die Weine dieses Jahr etwas „leichter“, da kurz vor der Lese die Sonne fehlt und die Weine dadurch keinen hohen Oechsle-Wert haben, daraus entstehen dann Weine mit moderatem Alkoholgehalt. Weinfachberaterin Astrid Köninger aus Waldulm erzählte mir, dass die Waldulmer keine Frostschäden hatten dafür der Regen hier seine Arbeit geleistet hat. Es mussten so viel Fungizide wie schon lange nicht mehr in den Weinberg gespritzt werden. Alles in Allem kann man sagen: es wird weniger Wein 2024 geben, er wird aber nicht deswegen schlecht schmecken. Denn, umso weniger Trauben am Stock, umso mehr Power und Aroma im Fruchtfleisch. Ich bin sehr gespannt auf die ersten Weine. Die leichten Sommerweine werden meistens im Februar/März abgefüllt, dann geht´s den Flaschen an den Kragen 🙂
Durbach – mit Blick auf den Kinglberg und das Schloss Staufenberg
wunderschöne Rotwein-Trauben
Ohne Champagner kann ich nicht leben….
… bei Siegen verdiene ich ihn, bei Niederlagen brauche ich ihn. – Napoleon
Am 12. und 13. Oktober war ich mich endlich mal wieder weiterbilden im Weininstitut München. Zusammen mit meiner Freundin Kerstin habe ich mich 48 h über das Thema Sekt- und Schaumwein berieseln lassen. Viel haben wir schon gewusst, vieles neu gelernt und öfters mal wurden wir bestätigt mit unserer Weinphilosophie (teuer nicht gleich gut und am besten alle Produkte direkt beim Winzer oder Weinhändler kaufen). Schön war´s ! Dozent Bernhard Meßmer – absoluter Champagner-Experte – hat uns eingeweiht in das Mysterium Champagne. Hinter Schaumwein steckt viel mehr als die klassische Silvester-Flasche, es steckt wahnsinnig viel Arbeit dahinter, viel Wissen und viel Zeit. Probiert haben wir um die 30 Schaumweine, von 5,90€ bis 249€ war alles dabei. Positiv überrascht war ich von dem hohen Männeranteil in diesem Kurs, in meinem Kopf war das so ein „Frauen“-Getränk, ich sollte langsam wirklich mit diesem Schubladen-Denken aufhören. Hervorragende Schaumweine sind viel komplexer und vielschichtiger als normaler Stillwein, man schmeckt gerne mal bis zu 8 Aromen heraus und riechen tun diese Schaumweine erst, Wahnsinn! Was ich da so alles im Glas hatte, jeder Schluck im Mund eine Versuchung. Jedoch habe ich rein gar nichts „geschluckt“, bei dieser Menge an Probiererle wurde alles ausgespuckt. Ansonsten würde ich heute noch im Weininstitut im Champagner baden. Und Schaumwein besteht ja nicht nur aus Sekt und Champagner, wir hatten auch Asti, Cava, english sparkling, Crémant, Prosecco, Trentodoc und Franciacorta im Glas. Und ab diesem Tag darf ich mich Sekt- und Schaumweinexpertin schimpfen 🙂 Ich freue mich schon sehr darauf, das neu erlernte Wissen euch weiterzugeben.
Wein des Monats: Apfel-Cidre von Philipp
Dieses Mal ganz kurz und knapp, weil das Produkt total für sich spricht, es aber wunderbar in die Runde passt. Nicht nur passend zur Jahreszeit auch total passend zum Schaumweinseminar: Apfel-Cidre. Nichts anderes als Apfel-Perlwein. Die Sorten von Philipps Cidre sind sehr alt, die Äpfel kommen von seinen eigenen Obstwiesen, angrenzend an seinem Winzerhof. Erfrischend, überraschend anders und süffig – so beschreibe ich das Produkt. Perfekt aktuell zu Kastanien, Flammenkuchen oder Zwiebelkuchen. Man hat einfach den Herbst im Glas. Der große Unterschied zwischen Perlwein und Schaumwein ist eigentlich eher klein, es geht um den Druck in der Flasche. Schaumweine müssen ein Druck von mindestens 3,0 bar haben, Perlweine dagegen dürfen maximal 2,5 bar in der Flasche haben – es perlt eben nur leicht 🙂 Vorbei kommen, Flasche holen und probieren !
Weihnachtsbazar 2024 – was für ein Event
Ich habe kurz überlegt, aber JA, der Bazar bekommt hier seinen eigenen Blogbeitrag. Es ist ein Event, dass mir wichtig ist und mittlerweile sehr bekannt ist. Ich liebe es kreativ zu sein, Kränze zu binden und die Scheune zu verzaubern. Jedes Jahr beginnen Ende August die ersten Vorbereitungen. Erst geht´s los mit der Flyer Gestaltung, dann muss man die aktuellen Trends der Adventskränze herausfinden, meine anderen Mit-Austeller fragen ob sie wieder Lust haben mit dabei zu sein, bei den Landwirten die Zweige bestellen, beim Großmarkt die besonderen Blumen bestellen,…ihr merkt, es ist viel. Und wie bei einer Hochzeit, nach einem Tag ist alles vorbei. Und dieser Tag zieht immer komplett an mir vorbei, ich bin jedes Jahr total aufgeregt.
Besonders gefreut haben mich die unzähligen neuen Gesichter, die zum ersten Mal bei mir im Lädele waren. Ihr seid von so weit her gekommen, ich weiß das sehr zu schätzen. Dieses Jahr hatte ich eine Fotografin engagiert, die mir mal ein paar Bilder geknipst hat. Erst auf den Bildern habe ich dann gesehen, wer alles da war, wie gesagt, der Tag zieht komplett an mir vorbei 🙂
Vielen Dank für euren Besuch !
Die kriminellen Machenschaften des Müller-Thurgau
Der Müller-Thurgau ist eine der bekanntesten Rebsorten in Deutschland, doch seine Herkunft und die Art und Weise, wie er nach Deutschland kam, sind ebenso spannend wie die Rebe selbst. Die Rebsorte wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Schweiz von Hermann Müller im Kanton Thurgau gezüchtet. Der Züchter kreuzte die beiden Reben Riesling und Madeleine Royale und schuf eine Sorte, die besonders durch ihre Anpassungsfähigkeit an verschiedene Klimabedingungen und ihre frühe Reife bestach. Schon bald zeigte sich, dass der Müller-Thurgau hohe Erträge lieferte und relativ unempfindlich gegenüber Krankheiten war – ideale Eigenschaften für den Weinbau. Der Gutsverwalter Johann Röhrenbach hatte in den 1920er Jahre einige Misserfolge mit seinen Rebstöcken am Bodensee/Immenstaad und erfuhr von dem Ernte-Erfolg der Müller-Thurgau Rebe in der Schweiz. Leider erlaubte das Saatgut-Handelsgesetz die Einfuhr über die Grenze nicht und der Markgraf von Baden hatte überhaupt keine Einsicht, ein Schweizer Produkt ins Land zu bringen. So heckte Röhrenbach mit einem Fischer einen Plan aus, dass ihre beiden Söhne die begehrten Reben über den See schmuggeln sollten. Im April 1922 ruderten die zwei Buben über den See, am ausgemachten Ablageorte lagen die Rebstöcke und an der Zollstation muss Ihr Herz gerast haben. Nach einer achtstündigen (!!!) Ruderaktion kamen sie in Immenstaad an. Johann Röhrenbach pflanzte die Reben heimlich in sein Weinberg. Nach ein paar Jahren und etlichen Streits und Diskussionen mit dem Markgraf fand der Wein Anerkennung und begeisterte die Winzer durch seinen unkomplizierte Anbaumöglichkeiten. Es wurden immer mehr Rebstöcke ins Land geschmuggelt und angebaut. Nur zwei Jahre später war das ganze dann legal, die Population der Müller-Rebe war zu erfolgreich. Im Laufe der Jahrzehnten wuchs die Anbaufläche der Rebe in Deutschland und der Müller-Thurgau wurde eine der meistgebauten Weißwein-Rebsorten des Landes. Spannend, oder ?
Kleines Interview mit Winzerin Ina Wihler
Steckbrief Beruf: Winzerin und Önologin Rebfläche: Das Weingut umfasst 5 Hektar Rebfläche und 1,5 Hektar Streuobstwiese/Acker. Mittlerweile ist es biologisch zertifiziert. Die Rebflächen stammen von ihrer Oma und von den Großeltern ihres Mannes.
Liebe Ina, warum bist du Winzerin? Für mich ist es eine Berufung. Ich kann im Rhythmus mit der Natur arbeiten, ihr Respekt entgegenbringen und etwas erhalten. Draußen sein, geerdet werden, den Sonnenaufgang sehen, das Summen der Bienen hören, frische Luft – das ist alles so heilsam. Als wäre ich immer noch das Kind, das mit der Oma im Weinberg stand. Wein bedeutet für mich „die Essenz der Erde“ – und gleichzeitig ist er für mich immer noch ein Mysterium, das so viel Kraft und Besonderheit in sich trägt. Das treibt mich an!
Was ist für dich die größte Herausforderung im Weinbau? Der Klimawandel, Wasserknappheit während der Vegetationsperiode, steigende Kosten sowie zunehmende Bürokratie und Schnelllebigkeit.
Wie beschreibst du deine Weine? Unsere Weine sind natürlich bzw. ungeschminkt. „Low Intervention“, geprägt durch spontane Gärung, langes Hefelager, keine Schönungsmittel und schonende Verarbeitung. Sie spiegeln ihre Herkunft wider – Bodenbeschaffenheit, Mikroklima, Charakter der Lage.
Wie wichtig ist dir die Beziehung zu den Menschen, die deinen Wein verkaufen? Sie ist mir wichtig – und vor allem schön! Eine persönliche Bindung zu haben, sich zu kennen und gut zu verstehen, bedeutet für mich, dass unsere Weine und unsere Philosophie angenommen werden. Ich freue mich immer sehr, mit Weinhändlerinnen wie dir, Anne, zusammenzuarbeiten. Chapeau, was du für die badischen Weine leistest!
Wein des Monats: Rosé Secco von Stieg&Eck
Diese Flasche enthält 100 % Spätburgunder-Trauben, die im Barriquefass vergoren und anschließend 10 Monate auf der Vollhefe gereift sind. Geschmacklich sind wir hier bei getrockneten Früchten, gelbfleischige Fruchtnoten wie Aprikose und Quitte. Leicht prickelnd, angenehme Perlage und sehr süffig. Ohne Schnickschnack, wie auch auf dem Etikett steht 🙂 Samira und Robby – die Winzer – setzen auf nachhaltigen, handwerklichen Anbau und minimalen Eingriff in die Weinbereitung. Das Ergebnis sind echte, natürliche Weine. Kommt vorbei und probiert die weiteren Produkte von diesem kleinen Winzerhof 🙂
Wein des Monats: Auxerrois vom Weingut Aufricht
Puh ein Zungenbrecher, oder ? Ausgesprochen wird diese Rebsorte so: „Aux“ klingt wie „Oss“ oder „Ox“ und das „errois“ klingt wie „erwa“ also „Osserwa“ oder „Oxerwa“. Hätten wir das schon mal geklärt 🙂 Der Auxerrois des Weinguts Aufricht überzeugt durch seine fein abgestimmte Balance aus Fruchtigkeit und Eleganz. Dieser Wein bringt Aromen von reifen Äpfeln, Birnen und zarten Blütenaromen mit sich, die von einer milden, aber frischen Säure getragen werden. Der Ausbau im Edelstahl sorgt für eine klare, puristische Struktur, die den fruchtigen Charakter perfekt unterstreicht. Am Gaumen ist der Auxerrois rund und harmonisch, mit einer angenehmen Textur und einem langen, leicht mineralischen Abgang. Ideal als Begleiter zu leichten Gerichten wie Fisch, Geflügel oder sommerlichen Salaten – ein vielseitiger, frischer Genuss. Auxerrois ist eine weiße Rebsorte aus dem Elsass, die auch in Deutschland und Luxemburg verbreitet ist. Die Rebe ist robust, wächst am besten auf tiefgründigen, gut durchlässigen Böden und ist weniger anfällig für Krankheiten, jedoch frostempfindlich. Meine Sommerwein 2025 !
eine kleine Wein-Prognose für den Jahrgang 2025
Die Prognosen für den Weinjahrgang 2025 sehen vielversprechend aus. In vielen deutschen Weinregionen hat die Lese in diesem Jahr ungewöhnlich früh begonnen – teils bis zu drei Wochen früher als üblich. Das Wetter der letzten Wochen hat den Reben gut getan: viel Sonne, trockene Bedingungen und in manchen Gegenden auch kühle Nächte – ideale Voraussetzungen für reife, gesunde Trauben mit schöner Frucht und ausgewogener Säure. Auch wenn die Erntemenge mancherorts geringer ausfällt, lässt die Qualität keine Wünsche offen. Besonders bei den Weißweinen wird ein frischer, aromatischer und gut strukturierter Jahrgang erwartet. Auch die Rotweine zeigen jetzt schon viel Potenzial: gut ausgereift, kraftvoll und rund im Geschmack. Kurz gesagt: Die Vorfreude auf die neuen Weine 2025 ist mehr als berechtigt! Doch wie sieht´s in Baden aus, ich habe mich mal ein bisschen umgehört. Florian Kuhn, Südlich von Freiburg hat mir eine Sprachnachricht geschickt, er meinte „Die Weinlese 2025 hat bei uns bereits am 4. September gestartet – dieses Jahr also früh dran. Seitdem heißt es: Gas geben, denn viele Trauben sind schon erstaunlich reif, und es geht zügig voran. Das Lesegut sieht richtig gut aus: größtenteils gesund, mit schönem Aroma und perfektem Reifegrad. Der Sommer war nicht zu heiß, was dem Jahrgang sehr gut tut – dadurch behalten die Weine ihre Frische und eine schöne, lebendige Säure. Alles deutet auf einen fruchtigen, ausgewogenen Jahrgang hin.“ Na, wenn sich das nicht mega anhört. Ein bisschen weiter nördlich bei Offenburg sieht es schon wieder anders aus. Bei Vivien startet die Lese am 15./16./17.09. – kommt ganz aufs Wetter an. Das ist bei Offenburg seit Anfang September regnerisch und nicht so prickelnd für die Träubchen. Eine Prognose konnte sie noch nicht abgeben, da noch keine Trauben geerntet wurden zu dem Zeitpunkt. Weiter südlich, zurück nach Freiburg, ist Winzerin Ina Wihler schon mitten in der Lese seit Anfang September. Sie meinte, dass Lesegut muss so schnell wie möglich runter, weil auch da bald der Regen kommt. Die Trauben sehen super gut aus und sie ist zufrieden.
Ihr merkt, 60 km Unterschied machen einiges aus. Im Allgemeinen sind die badischen Winzer zufrieden, der warme Spätsommer im August hat die Aromen in die Traube gebracht. Im April hatten einige Weingüter in Nordbaden Spätfrost und haben dadurch Einbußen in der Menge der Trauben, die Qualität ist trotzdem sehr gut geworden. Es wird wahrscheinlich kein großer Mengen-Jahrgang aber qualitativ sieht es sehr attraktiv aus.